Mex.Ampere // BMB Blonk Bang Brand-Riedl

01. Juni 1996 Samstag 20 h
mex im MuKuZ, Güntherstraße

JAAP BLONK
CHRISTOPH BANGERT
BMB CON
JENS BRAND // WALDO RIEDL

Christoph Bangert ©

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JAAP BLONK (NL)
Voice, sound poetry, electronics

Der Stimmkünstler, Musiker, Maler, Poet und Autodidakt entdeckte nach dem Abruch des Studiums von Physik, Mathematik und Musikwissenschaft und etlichen („sinnlosen“) Bürojobs die „sound poetry“ als seine Kunstform. Beeindruckt von Antonin Artaud, Lucebert und Kurt Schwitters. Mittlerweile profilierte er sich als einer der bemerkenswertesten und ausdrucksstärksten „voice performer“ mit einem weiten Spektrum an Möglichkeiten: er kann in kindlicher Frechheit vor sich hin improvisieren, anschließend in strenger Haltung wichtige Texte rezitieren und gleichzeitig wie zufällig vom Stuhl fallen. Sein Beitrag zum Festival enthält neben rein akustischen auch Stücke mit Elektronik, die er bei STEIM (Studio für elektroinstrumentale Musik) in Amsterdam speziell entwickelt hat. Seine zum Teil äußerst lautstarke Präsenz führte ihn mit vielen bekannten Künstlern und Musikern der Neuen Musik wie der Improvisierten Musik zusammen, z. B. Tristan Honsinger, Guus Jansen, David Moss oder Nic Collins.
Veröffentlichungen:
LP „Ursonate“ (BV Haast, 1986), CD „Braaxtaal“ (Kontrans, 1993), Buch und
CD „Liederen uit de Hemel“ (Perdu/Amsterdam 1993) u.v.m..


CHRISTOPH BANGERT
(D)
‚EURO“SCAN“
Monomedia Computerperformance: „Eine wundervolle Reise durch den Körper einer Registrierkasse!“ (J.C. Brand)

Eine groteske Verknüpfung von Kammermusik, Aktion und Computerkunst: Christoph Bangert sitzt, bewappnet mit einer großen Tauchermaske, inmitten eines Käfigs aus Einkaufswagen und bedient 4 ATARI-povera-Computer. Das Publikum kann umhergehen und die rein synthetisch und live errechneten Klänge und Bilder direkt an der Quelle wahrnehmen. Außerdem hantiert er mit Dialeuchtkästen, Spanplatten, Wurstscheiben, Mäusen und einer Sammlung von EAN-Strichcodes. Diese für Supermarktkassen entwickelten, eigentlich nicht für das Auge bestimmten, aber allerorts sichtbaren Abfolgen von Ziffern und hellen und dunklen Streifen bilden die Performance-Partitur. Sie tun dies sowohl für die sorgfältig komponierten Diagrammbewegungen als auch für die hypnotisch-banalen Klänge. Parallel zu diesem Zahlenexzeß hat Christoph Bangert auch Umgang mit einem zwitterhaften Aktionsgerät aus Einkaufswagen und Computertastatur. Der Absolvent der Kunstakademie Münster lebt und arbeitet in Dortmund. Die Monomedia-Performance EURO“SCAN hatte 1994 Premiere im New Yorker „Experimental Intermedia“ und war u. a. im „Het Apollohuis“ in Eindhoven (NL) zu sehen.

JENS BRAND & WALDO RIEDL
Berufsgruppentrio
Miniatur für Ultraschall, Computer und 3 Personen

Drei Mitglieder einer noch (überraschend) bekanntzugebenen Berufsgruppe bewegen sich im Erfassungsbereich von Ultraschallmeßgeräten und machen in Berufsbekleidung Kniebeugen – je nach Kondition und körperlicher Verfassung. Die über den Köpfen der Akteure montierten Sensoren erfassendie Bewegung der Performer. Die ermittelten Werte werden im Computer ausgewertet und über verschiedene Filter in einfachste Sinustonimpulse umgerechnet. Entwickelt wurde diese Miniatur von Jens Brand und Waldo Riedl. Beide leben in Dortmund und erarbeiteten seit 1992 zahlreiche Projekte, u. a. die Langzeit-Konzertinstallation „MiniFan-Musik“, das Duoprogramm „Well- & Unshaved Duos“ mit eigenen Kompositionen oder die Ultraschall-Alkohol-Installation „Höhenrausch“ in der Moltkerei Werkstatt Köln. Mit freundlicher Unterstützung der „microsonic GmbH“.


BMB CON

radikale Multimedia-Performance im Digitalzeitalter

Das Trio von Wikke’t Hooft, Roelf Toxopeus und Justin Bennett aus Den Haag entstand im Jahr 1989. Ein Jahr darauf folgte die Gründung der non-profit-foundation „Leaving the 20th century / BMB Con“. Die Gruppe interessiert sich vor allem für Materialien wie Eis, Autobatterien, Richtmikrofone, Insekten und Magnesium. Sie arbeiten mit Elektronik, (Solar-)Energie, Naturmaterialien und Pyrotechnik. Die große Vorliebe der drei Performer, von denen keiner größer ist als 1,65 m, gilt den „kraak geluiden“. Das sind knackende, berstende Klänge, die mit Kontaktmikrofonen verstärkt werden. Ihre Performances bestehen größtenteils aus improvisiertem und konzentriertem interagieren mit dem jeweiligen audiovisuellen „set up“ im Raum. Jeder Auftritt ist einzigartig. BMB Con arbeitet seit 1990 kontinuierlich beim STEIM-Institut (Amsterdam) an der Entwicklung neuer Hard- und Software, um die Sensibilität verschiedenster Materialien hinsichtlich Wärme, Licht, Druck, Beschleunigung, Magnetismus u. a. in Klänge und Bilder umzusetzen.

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Veranstaltet von mex – intermediale und experimentelle Musikprojekte e.V. Mit freundlicher Unterstützung durch MuKuZ, Pro Jazz e.V. und das Kulturbüro der Stadt Dortmund.

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