[open systems]

04. November 2003
mex außer Haus

Phönix West, ehemaliges Reserveteillager
Hochofenstr./Ecke Rombergstr., 44263 Dortmund

GORDON MONAHAN
ULRICH KRIEGER // THOMAS KÖNER
ELAINE SUMMERS
UTE SAFRIN
UTE WASSERMANN

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GORDON MONAHAN [CAN/D]
/// speaker swinging (1982)

Elektroakustischer Wahnsinn. Speaker Swinging ist ein Experiment für drei oder mehr schwingende Lautsprecher und neun Audio-Oszillatoren. Die Idee entstand beim Hören von mobilen Soundquellen wie Leslie-Boxen, Fahrzeugen mit Lautsprecheranlagen oder Flugzeugen. Die subsequenten akkustischen Prozesse sind genau so fundamental für das Werk wie Schweiß, Kampf, und Angst. Speaker Swinging entstand aus dem Wunsch, das typische elektronische Musikkonzert zu animieren und folglich den Lautsprecher zu einem echten elektronischen Musikinstrument zu machen. Die rotierende Bewegung der Lautsprecher und die korrespondierenden Doppler-Wechsel werden zu Metaphern für die molekularen Bewegungen der Elektronen. Die erste Inspiration zu Speaker Swinging waren Autos, aus deren Fenstern in einer heißen Sommernacht Heavy Metal Sounds drangen. In dem Moment, in dem die Wagen vorbei fuhren, entstand ein flüchtiger Moment feuchter, flüssiger Musik, in der ein Ton mit dem nächsten verschmolz.

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ULRICH KRIEGER [D] – Saxophon, Live-Elektronik
THOMAS KÖNER [D] – Elektro
zerfall gebiete
in Kooperation mit grenzgänger//tanz und neue musik

klänge zerfallen…
verdichten sich zu staub…
driften auseinander…
atmende brüchig graue textur…

Ulrich Krieger, freischaffender Interpret (Didjeridu, Saxofon), Komponist und Performer bewegt sich in dem Dreieck zwischen improvisierter, komponierter und Rockmusik. Er trifft in der Zusammenarbeit mit Thomas Köner auf einen Performer, der seine Klanginstallationen vor allem mit visuellen Experimenten unter Einbeziehung des Publikums kombiniert. In Zerfall Gebiete treten die beiden mittels (Live)Elektronik und Instrumenten in einen Dialog, der sich immer mehr auflöst und in seine atomaren Einzelteile zerfällt.

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ELAINE SUMMERS (*1925) [USA]
Tanzfilme
/// Iowa Blizzard (1973)
/// two girls from downtown Iowa (1973)
/// absence and presence (1968-86)
in Kooperation mit grenzgänger//tanz und neue musik

Dem Werk der Choreographin, Tänzerin und Intermedia-Künstlerin Elaine Summers kommt eine Schlüsselposition in der Geschichte des Tanzfilms zu. Gemäß ihrer Auffassung, dass die Welt eine Choreographie sei und jede Bewegung in ihr Tanz, beginnt sie 1956 mit Film zu experimentieren. In den 60er Jahren entstanden Arbeiten, in denen Summers eine Verbindung von gefilmtem und getanztem Tanz entwickelte, die maßgeblichen Beitrag zur Prägung des Begriffs der „Intermediellen Kunst“ leistete. Während in diesen Aufführungen die Tänzer in Verknüpfung mit den Bewegungsabläufen von gefilmten Orten interagieren, bestimmt in den rein filmischen Arbeiten die menschliche Bewegung die zeitlichen und räumlichen Abläufe. Die oft stummen Filme lassen sich wie eine Musik betrachten, die des Klanges nicht bedarf.

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UTE SAFRIN [D]
Klanginstallation
im ehemaligen Stahlwerk

Die Installation bezieht sich auf den speziellen Raum, das ehemalige Stahlwerk, in dem sie zu sehen und zu hören sein wird. Ich verbinde Objekte aus verschiedenen Materialien, Raum und Klang. Wichtig ist die Nahtstelle zwischen den Medien. Am Computer werden Geräusche produziert, die auf CD gebrannt und mit Tieffrequenzlautsprechern, die in Objekte eingebaut sind, abgespielt werden. Das Material der Objekte klingt mit.

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UTE WASSERMANN [D]
/// Scenopoïetes (2002)
Stimme solo

Der Scenopoïetes dentirostris (tooth-billed bowerbird), ein tropischer australischer Vogel, singt, auf einem „Singstock“ sitzend (beispielsweise einem Zweig) direkt über einer von ihm vorbereiteten Szene. Diese markiert er durch abgepflückte und umgedrehte Blätter, die einen Kontrast zur Farbe des Boden bilden. Sein Gesang ist über weite Entfernungen vernehmbar. Während er singt, zeigt er die gelben Federn auf seiner Kehle. Er bildet ein komplexes und variationsreiches Motiv, in dem er neben artspezifischen Tönen, die Klänge anderer Vögel verarbeitet. In meinen Solostücken verbinden sich ursprüngliche „wilde Stimmen“ mit genau geformten Vokalisationen. Simultane Bewegungen von Lippen, Zunge, Gaumen, Kehlkopf, Zwerchfell erzeugen einen vielstimmigen Gesang.

Der Ton entwickelt sich auf Phonemen, bestimmte Kombinationen von Vokalen und Konsonanten lassen Klänge im Raum explodieren oder verschließen den Faden der Stimme. Jodler vermischen sich mit Pfeifen, flirrenden Trillerketten und zerplatzenden Knallauten… Ich komponiere Vokalklänge, indem ich verschiedene Techniken zerlege und überlagere. Dabei entstehen zusätzliche Resonanzphänomene im Raum. Meiner Soloperformance liegt eine kompositorische Szene zu Grunde, innerhalb derer ich improvisiere. Dabei interessiert mich die Reibung und Verschmelzung von kontrollierten und unvorhergesehenen Momenten.

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veranstaltet im Rahmen von 
open systems. Kuratierter Beitrag von mex – intermediale und experimentelle Musikprojekte e.V.

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